Nr. 07/2011                                                                                   0.11.2011

da capo

Ein Blatt für die Mitglieder des Chors ‚Neuer Chor da capo

 

Erfolgreiche Namensgebungsfeier

Neuer Name für die Stadtteilschule Benzenbergweg   Seite 2

Zu Jichak Katzenelson                                  Seite 4

 

Termine im November:

23.    in der Kirche St. Nicolaus in Alsterdorf

Probe: 18.00 Uhr, Generalprobe 19.00 Uhr


25.    Aula des Margaretha-Rothe-Gymnasium

Einsingen 8.45 Uhr, Aufführung 10.00 u. 11.00 Uhr


26.    Konzert in der Kirche St. Nikolaus

15.15 Chor – Einsingen, 17.00 Aufführung

 

Spruch der Woche:

Lieder sind wie Gedanken, einen Moment lang

können sie die heroische Illusion vermitteln,

man könne die Zeit anhalten. Bob Dylan


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Namensgebungsfeier

Ein neuer Name für die Stadtteilschule Benzenbergweg

Am vergangenen Donnerstag fand die Namensgebungsfeier für die Stadtteilschule Benzenbergweg statt. Diese Schule wurde nach dem jüngsten Widerstandskämpfer, der im III. Reich zum Tode verurteilt und in Berlin Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet wurde, benannt. Der neue Namen lautet:

„Stadtteilschule Helmuth Hübener.“

Der größte Teil der Veranstaltung wurde von den Schülerinnen und Schülern bestritten. Es war eine schöne, würdevolle Veranstaltung und die Beteiligten bewiesen ihr großes Können.

Eröffnet wurde die Veranstaltung von der Schulleiterin Frau Kreuzer. Anschließend hatte die Schulband ihren ersten Auftritt. Sie spielten das Stück Samb’Adagio I., ein Musikstück mit vielen Trommeln und Geräuschen.

Dann wurde es spannend. Die Schülerinnen und Schüler hatten ein Theaterstück, oder war es eher eine Revue, über Helmuth Hübener und seine Zeit einstudiert. In vier Akten stellten sie ihn und sein Schicksal dar, nicht ohne auch auf die Ursachen, die zu diesem Schreckensregime geführt hatten und in einem Ausblick auf heutige Verhältnisse sowie auf andere Widerstandskämpfer in aller Welt hinzuweisen.

Der erste Akt war die Annäherung an Helmuth Hübener. Im Mittelpunkt stand seine Person und die Umstände unter denen er lebte. Er war Mitglied in der Hitler-Jugend und der „Heiligen der letzten Tage“/Mormonen. In beiden Organisationen trug er zahlreiche Konflikte aus, sei es über die „Reichskristallnacht“ in der Hitler-Jugend oder in der Gemeinde, die ganz im Geist der Zeit, Juden von ihren Gottesdiensten ausschloss.

Immer wieder waren auch Anklänge an die Zustände in der Zeit des Nationalsozialismus eingestreut. Es beginnt doch ganz unten, Fremdenfeindlichkeit, Herabwürdigung des Mitmenschen - die Nazis erklärten bestimmte Menschengruppen zu Volkschädlingen, zu Ungeziefer, das man vernichten müsste....

Auch der brutale, pervertierte, für die Nazis so typische Kasernenhofjargon, wurde überraschend von Frauen dargestellt. Dies war vor dem historischen Hintergrund ungewöhnlich, weil die Frauen damals in der Öffentlichkeit auf ihre Rolle als Ehefrau und Mutter reduziert waren. Vielleicht war deshalb der unerwartete Auftritt so einprägend.

Danach kam der Chor „da capo“, der das jiddische Lied „Dos Kelbl“ des jüdischen Lyrikers und Dramatikers Isaak Kazenelson aufführte.

Anschließend hielt der ehemalige Bürgermeister Herr Ortwin Runde eine Rede.

 

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Der zweite und dritte Akt waren dem Widerstand und der Verurteilung Helmuth Hübeners gewidmet. Es war streckenweise richtig ergreifend, so gekonnt stellten die Schauspielerinnen und Schauspieler die Ereignisse dar. Dem Kenner der Materie lief streckenweise ein Schauder über den Rücken. Etwa die Darstellung der Verhandlung vor dem Volksgerichtshof mit Zitaten aus den damaligen Protokollen.

Ähnliches passierte, als man in einer Szene die Handlung mit dem O-Ton von Goebbels Rede im Berliner Sportpalast, „Wollt ihr den totalen Krieg, wollt ihr ihn totaler...“ untermalte.

Mit dem Bericht über seine Hinrichtung, auch wieder mit Zitaten aus den Akten und der Verlesung von Ausschnitten der letzten drei Briefe, die Helmut Hübener vor der Hinrichtung schreiben durfte, ging dieser Abschnitt zu Ende.

An dieser Stelle sang der Chor „da capo“ das Stück „Alta trinita beata..."

Zwischen den beiden Akten hielt Frau Rüssmann eine Rede.

In seiner Rede vor dem vierten Akt berichtete Herr Sander, der das Schicksal Helmuth Hübeners recherchiert hat, über die Probleme, die er bei dem Versuch, Einsicht in die alten Akten zu nehmen, bekam. Er äußerte den Verdacht, dass, weil damals der eine oder andere der Täter noch am Leben war, ihm der Zugang zu den Akten aus den fadenscheinigsten Gründen verwehrt wurde.

Im vierten Akt wurde dann der Bogen in die Nachkriegszeit, bis in unsere Zeit geschlagen. Die Bühne füllte sich mit verkleideten Menschen, alle trugen die gleiche große Mütze mit Ohrenklappen und zusätzlich eine riesige Sonnenbrille. Mann oder Frau war nicht zu unterscheiden.

Sie trampelten über die Bühne, alle durcheinander. Da trat eine normal gekleidete Frau auf, stolperte und fiel.... Das störte die Herrschaften aber nicht im Geringsten.

Die Schulband spielte dazu eine Art Sprechgesang. Ein zeitkritischer Refrain blieb im Gedächtnis: „Wir sind die Mehrheit, wir haben nichts gesehen... Wir sind die Mehrheit, jeder hat genug Probleme, jeder kämpft und stirbt für sich allein...“

Einzeln traten die Darsteller an den Rand der Bühne, nahmen Brille und Mütze ab und nannten den Namen eines berühmten Widerstandkämpfers im 20. Jahrhunderts, dessen Abbild mit einem Projektor auf ihre Person geworfen wurde.

So wurde erinnert an: Mahathma Ghandi, Nelson Mandela, an Elsner, den Attentäter gegen Hitler im Hofbräuhaus, an die Männer und Frauen des Attentats in der Wolfsschanze, Martin Luther King, Geschwister Scholl, Helmut Hübener, und viele andere... 

Minutenlanger Applaus dankte den Akteuren. Eine schöne, nachdenklich stimmende Veranstaltung.

Das Fernsehen war auch da....

Das Tollste an der Veranstaltung aber war die Tatsache, dass die Vorstellung von den Schülern und den Lehrern entwickelt wurde. – eine großartige Leistung aller Beteiligten.

 

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Zu Jizchak Katzenelson 

Jizchak Katzenelson, geboren 1886, gestorben: 1944 in Auschwitz war ein jüdischer Lyriker und Dramatiker, der in Hebräisch und Jiddisch schrieb. Er gilt als der Begründer des neuhebräischen Dramas.

J.Katzenelson lebte ursprünglich als Lehrer in Lodz. Zwei Monate nach der Okupation Polens durch die Deutschen flüchtete er nach Warschau und landete im dortigen Ghetto. Seine Frau und zwei seiner Söhne wurden nach Treblinka deportiert und vergast. Er selbst beteiligte sich am Aufstand im Warschauer Ghetto. Es gelang ihm, mit gefälschten Papieren in den arischen Teil Warschaus zu kommen. Von dort wurde er in eine Sonder-KZ in Vittel/Elsass abgeschoben. Hier schrieb er auch das „Lied vom erschlagenen jüdischen Volk/Lid fuum ojsgehargetn jidischen folk“ Das Manuskript vergrub er unter einem Baum, wo es nach dem Krieg von einer Mitgefangenen, die überlebt hatte, gefunden und anschließend in Paris herausgegeben wurde.

Katzenelson wurde April 44 nach Ausschwitz deportiert und dort vergast.

 

Scherz der Woche:

 

Ein Musiker zum anderen: „Ich habe gehört, du lässt deinen Sohn den ganzen Tag Schlagzeug üben. Was bezweckst denn damit?“ – „Ganz einfach, ich brauche die Nachbarwohnung....“