Nr. 37/2011                                                                                               29.09.2011

Der Betreute Bewohner

 

Ein Blatt für die Bewohner des Hauses Sieker Landstr. 33

Unabhängiges Kampfblatt für Toleranz und Verständnis

 

Papst liest Politikern die Leviten

Papst Benedikt XVI. hält Rede im Bundestag      Seite 2

 

Veranstaltungen: Ausflug am 24.10.

 

Spruch der Woche:

Gott ist das beladenste aller Menschworte. Keines ist so besudelt, so zerfetzt worden. Die Geschlechter der Menschen haben die Last ihres geängstigten Lebens auf diese Wort gewälzt und es zu Boden gedrückt; es liegt im Staub und trägt ihrer aller Last. – Wir müssen die achten, die es verpönen, weil sie sich gegen das Unrecht und den Unfug derer auflehnen, die sich so gern auf die Ermächtigung durch Gott berufen; aber wir dürfen es nicht preisgeben.

Martin Buber

Ein Blitzableiter auf einem Kirchturm ist das denkbar stärkste Misstrauensvotum gegen den lieben Gott.

Karl Kraus


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Papst liest Politik die Leviten

Papst Benedikt hält Rede im

Bundestag

Gut, man kann darüber streiten, ob ein Kirchenoberhaupt im Bundestag eine Rede halten sollte. Schließlich haben wir in Deutschland die Trennung von Kirche und Staat.

Allerdings wurde der Papst von dem Bundestagspräsidenten mit Zustimmung der Fraktionen offiziell eingeladen. Etwa 100 Abgeordnete konnten sich mit dem Auftritt des Papstes nicht abfinden und blieben der Veranstaltung fern. Die Meisten entstammten der Fraktion der Linken, die traditionell ein gespanntes Verhältnis zur Religion haben, gemäß dem Ausspruch ihres Übervaters Karl Marx, „Religion ist Opium für das Volk“.

Auch einige Abgeordnete von Grünen und SPD sahen sich außerstande, daran teilzunehmen. Wie gesagt, eine persönliche Entscheidung.

Das Ganze wurde mit einer kurzen Rede des Bundestagspräsidenten eröffnet, in der er den Papst freundlich begrüßte und seine Wertschätzung gegenüber dem hohen Gast zum Ausdruck brachte.

In seiner Antwort legte der Papst, nach einer kurzen Begrüßung, dar, dass die Einladung ihm als Papst, als Bischof von Rom, der die Verantwortung für die katholische Christenheit trägt, galt, und damit das Parlament die Rolle des Heiligen Stuhls als Partner der internationalen Staatengemeinschaft anerkannte.

Aus dieser Stellung heraus wollte der Papst, wie er sich ausdrückte, ‚einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates vorlegen.’

Um es vorweg zu nehmen, es war eine interessante, philosophische Rede, formuliert in einer klaren, schönen Sprache.

Den Maßstab für politisches Handeln brachte er im ersten Teil seiner Rede in dem Satz auf den Punkt:

„Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen.

Natürlich wird ein Politiker den Erfolg suchen, der ihm überhaupt die Möglichkeit politischer Gestaltung eröffnet. Aber der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit und dem Willen zum Recht untergeordnet.“

Der Redner zitiert den heiligen Augustinus: „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande?“

Das bedeutet wohl, Politik ohne eine stabile Rechtsordnung, ist nicht möglich.

Er erinnerte an die jüngere deutsche Geschichte, die er aus eigener Anschauung kannte, „als (unter Hitler) die Macht von dem Recht getrennt wurde ... und der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde.“

 

 

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Zu einem aktuellen Problem kam der Redner, als er auf das Verhältnis von Christentum und Rechtsordnung zu sprechen kam.

„In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden. Vom Blick auf die Gottheit her wurde entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft, als die wahren Rechtsquellen verwiesen – (in der Vorstellung) des Gegründetseins von (Natur und Vernunft) ... in die schöpferische Vernunft Gottes.“

Eine interessante Bemerkung mit Blick auf andere Religionen, zum Beispiel auf den Islam, der den Anspruch erhebt, das Leben bis in die kleinsten Kleinigkeiten zu ordnen und zu kontrollieren

Aber in Europa ist eine andere Situation entstanden. Die katholische Auffassung eines Naturrechts steht in Opposition zu der aktuellen Auffassung der positivistischen Konzept von Natur und Vernunft.

Vereinfacht gesagt, die aktuelle Mehrheit begreift Natur und Vernunft rein funktional, das heißt allein im wissenschaftlichen Sinne. Diese Sicht der Dinge schließt eine Gewinnung von Erkenntnis für Ethos und Recht aus.

Der Papst regt an, darüber nachzudenken, ob die Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht doch eine schöpferische Vernunft, im christlichen Sinne, Gott, voraussetzt.

In diesem Zusammenhang erinnert der Papst an die Entwicklung der Ökologie seit den 70er Jahren, die er sehr begrüßt und erinnert daran, dass auch dem Menschen eine eigene Ökologie innewohnt. „Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und nicht beliebig manipulieren kann. ... Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit...“

Die Rede zusammenfassend erklärt der Redner.

„Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde ..., das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden. Diese Erkenntnisse bilden unser kulturelles Gedächtnis.....

Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas. Sie hat im Bewusstsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde eines jeden Menschen Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen uns in unserer historischen Stunde aufgegeben ist.“

Diese Rede wurde von ‚Phoenix‘ übertragen und im Internet veröffentlicht.

 

 

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Ausflug am 24.Oktober

Der Ausflug am 24.Oktober wird in den Schmetterlingspark bei Friedrichsruh/Aumühle führen. Auch Rollstuhlfahrer können mitkommen, denn der bekannte rollstuhlgerechte Reisebus kommt wieder zum Einsatz.

Die Kosten für den Reisebus und das Begleitpersonal übernimmt Garant, so dass der Kostenanteil für jeden Teilnehmer nur 15,50 euro beträgt.

Verbindliche Anmeldungen müssen bis 18.10. beim ‚Betreuten Wohnen‘ eingehen.

 

Witz der Woche:

Überrascht fragt die Mutter ihren Ableger: „Woher hast Du das Eis?“ – „Du hast mir doch einen Euro gegeben…“ – „Der sollte für die Kirche sein!“ – „ Ja schon recht, aber der Eintritt war umsonst…“

Fiete der Dackel meint: „Hunde sind in der Kirche nur ausnahmsweise zugelassen….“