• 25.06.2015Nr.23/2015                                    Nr. 382/

Der Betreute Bewohner

Ein Blatt für die Bewohner des Hauses Sieker Landstr. 33

Unabhängiges Kampfblatt für Toleranz und Verständnis

 

La Fête de la Musique Ein großer Tag in Frankreich Seite 1
   
   

 

 

 

Spruch der Woche:


Das Steckenpferd ist das einzige Pferd,
welches über jeden Abgrund trägt.

Friedrich Hebbel

La Fête de la Musique

Ein großer Tag in Frankreich

 

 Bekanntlich legt man in Frankreich sehr viel Wert auf Kultur. So hat man auf den Erlass des damaligen Präsidenten Mitterand hin den 21. Juni als den Tag des „Fête de la Musique“ des „Fest der Musik“ eingeführt. Das bedeutet in ganz Frankreich finden sich in allen Städten und Dörfern alle möglichen Gruppen und Grüppchen von Musikanten, Profis und Amateure auf den Straßen und Plätzen ein, machen Musik und niemand kann sich über den Lärm beschweren…

Da spielt das klassische Amateurorchester neben der Punk-Band an der nächsten Ecke. So war es auch in Colmar. Die ganze Altstadt bildete eine tolle Kulisse für das festliche Ereignis.

Die Altstadt von Colmar ist sehr gut erhalten und die alten mehrstöckigen Fachwerkhäuser sind zum größten Teil liebevoll restauriert und gepflegt. Auch hält man in Colmar viel Sinn für das Andenken verdienter Söhne der Stadt. So erhielt ein „Schlagtot“ aus dem 30-Jährigen Krieg, der Colmar und die umliegenden Land- schaften erobert und die gefürchteten Landsknechtstruppen der „Armangnaken“ aus der Landschaft vertrieben hatte, eine Statue aus Bronze auf einem Brunnen.

Auch der Künstler Augustus Bartholdi,der die Freiheitsstatue in New York geschaffen hat, ein weiterer Sohn Colmars, wurde mit einer Statue mit einer Gedenktafel am Geburtshaus geehrt.

Colmar hat eine bewegte Geschichte. Im Laufe der Zeit wurde die Stadt immer wieder in die Konflikte zwischen Deutschland und Frankreich hineingezogen, beziehungsweise teilte die Stadt das Schicksal des Elsass, das öfter mit Krieg überzogen wurde. So richtig fiel die Stadt im Jahre 1679 an Frankreich, als in Versailles der französische „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. herrschte. Mit der Niederlage Frankreichs im Krieg 1870/71 fiel sie nach fast zweihundert Jahren zusammen mit dem Elsass wieder an Deutschland. Mit dem Ende des 1. Weltkrieg fiel die Stadt zurück an Frankreich.

1940, nach der Niederlage Frankreichs gegen die Nazis landete die Stadt wieder in Deutschland um 1945, hoffentlich nun endgültig, zurück an Frankreich zu fallen. Die Colmarer hatte es im 2. Weltkrieg noch besonders getroffen, weil sie 1942 von der Wehrmacht eingezogen wurden und nach Russland marschieren durften – dem Endsieg entgegen… mit den bekannten Folgen.

Doch zurück zu Colmar. Es war ein schöner Nachmittag und die Straßen waren noch nicht so richtig voll. Die Restaurants hatten Tische vor die Tür gestellt und überall auf den Straßen wanderten Menschen mit Instrumenten oder technischen Geräten, wie Lautsprechern umher. An allen möglichen Ecken hatte man kleinere Bühnen aufgebaut.

Relativ wenige Menschen flanierten durch die Straßen und Gassen. An einer Ecke auf dem Platz vor dem großen gotischen Münster hatte sich auf einer kleinen Bühne eine Jazz-Blaskapelle in rosa Anzügen, bestehend aus Tuba, Posaune, Trompete, Saxophon und Schlagzeug aufgebaut und spielte ausgezeichneten Jazz. Nach einem gemeinsamen Auftakt erhielt jedes Instrument die Gelegenheit für ein Solo bis zuletzt alle Instrumente sich wieder vereinigten. Die Künstler zeigten ihr Können und sie erhielten vom offensichtlich fachkundigen Publikum den verdienten Beifall.

Jetzt legten auch die anderen Musikanten los. Die Straßen füllten mit Menschen, die Luft war erfüllt von der Musik der verschiedensten Stilrichtungen. Da spielte ein großes Jugendorchester, mit Geigern, Blasinstrumenten, Schlagzeug und allem was dazu gehört, auf dem Platz vor dem Münster und gegenüber eine „Hard Rock Band“ an der Ecke, die einen Höllenlärm veranstaltete. Je nachdem ob man näher am Orchester oder an der Rockband stand hörte man entweder klassische Musik oder den Krach der Rocker.

Um das Ganze noch zu vervollständigen, hatte sich neben dem Jugendorchester noch ein Orchester mit Oboen aller Tonlagen aufgebaut und verstärkten den bestehenden Klangteppich.

Eine Band hatte sich den Namen „Centre-Anti-Panic“ gegeben. Sinniger-weise spielte die Band so etwas, das nach Hard Rock mit Punk klang, auf jeden Fall laut. Für Menschen mit normalem Gehör war der Lärm kaum auszuhalten, aber etliche Jugendliche gaben sich begeistert...

In einer Nebenstraße wurde „Salsa“, Musik aus der Caribic, gespielt. Für den Flaneur war diese Musik ein Genuss nach dem Höllenlärm der „Anti-Panic“-Band. Auf der Straße tanzte auch noch ein Paar – sehr gekonnt.

Der Abend wurde an einem Tisch vor einem Restaurant beschlossen – bei leckerem Elsässer „Riesling“ und dazu gab es „Flammkuchen“ eine lokale Spezialität. Es war ein schöner Abend. Die kleine internationale Gruppe, Deutsche, Franzosen, Peruanerinnen und Französinnen hatten einen Riesenspaß mit einem babylonisch anmutendem Sprachgewirr. Alle redeten durcheinander, aber irgendwie verstand man sich.

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Witz der Woche:(aus  Kategorie: „na ja“):

Fite neu

Was ist das? Sitzt auf dem Baum und ist schwarz? – ein Spanner nach einem Waldbrand – Sitzt daneben und ist Rot – sein Bruder, der glüht noch…

Fiete meint: „das ist unterstes Niveau…“

 

Aktualisiert ( Mittwoch, den 08. Februar 2017 um 14:56 Uhr )