• 23.10.2014Nr.41/2014                                                 Nr. 350/ ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. )

Der Betreute Bewohner

Ein Blatt für die Bewohner des Hauses Sieker Landstr. 33

Unabhängiges Kampfblatt für Toleranz und Verständnis

 

OZ-Sprayer tödlich verunglückt
Feierliche Beerdigung in Ohlsdorf
Seite 1
Streik und kein Ende? Seite 2
Kinoabend mit „Didi“ Hallervorden Seite 3

Veranstaltungen:

Toller Film mit Didi Hallervorden am 28. Oktb.

Argentinischer Tango für Senioren am 03.Nov. 

Spruch der Woche:


Fürwahr es wechselt Pein und Lust
genieße, wenn du kannst,
und leide wenn du musst.

J.W. von Goethe

 Oz-Sprayer tödlich verunglückt.

Feierliche Beerdigung in Ohlsdorf

Der stadtbekannte Sprayer OZ, bür-gerlichem Namen Walter Fischer, verunglückte am 25.September gegen 22.30 tödlich. Er war offensichtlich gerade dabei, Schaltkästen der S-Bahn zwischen Hauptbahnhof und Berliner Tor mit seinem sattsam bekannten „tag“ OZ zu verzieren, als ihn eine vorbeifahrende S-Bahn erwischte und tödlich verletzte. Der Fahrer des Zuges bemerkte den Unfall gar nicht. Erst der Kollege eines nachfolgenden Zuges sah die Leiche neben den Gleisen liegen. Die herbeigerufene Polizei fand ein frisches Graffito, eine Spraydose und einen Rucksack.

An dem Sprayer OZ scheiden sich die Geister. Für die Einen ist er ein arbeitsscheuer, asozialer Schmierfink, der die ganze Stadt mit seinen „tags“, meist mit OZ, verunstaltet hat. Die Polizei spricht von mindestens 120.000 dieser merkwürdigen Schmierereien, die der Typ bis 2002 überall in der Stadt hinterlassen hat. Seither hat er aber nicht aufgehört, wahrscheinlich hat die Polizei es aufgegeben, die Bildchen zu zählen.

Die Anderen verehren ihn als „Großvater der Sprüherszene“ und Graffiti-Künstler. Dabei stört es die Herrschaften offensichtlich nicht im geringsten, dass der Typ so manches Haus verunziert hat, das seine Besitzer mit viel Liebe und Sorgfalt neu gestrichen hatten. Aber Besitz gilt in diesen Kreisen sowieso als dekadent, so lange es sich nicht um ihren eigenen Krempel handelt.

Gut, OZ hatte es nicht leicht im Leben. Er wuchs als uneheliches Kind im Heim auf, brach zwei Lehren ab und fasste nirgends richtig Tritt.

Nach seiner Aussage fühlte er sich als „Kämpfer gegen die Normen der deutschen Sauberkeit und die Kommerzgier“. – Was will uns der Künstler mit dieser Bemerkung eigentlich sagen?

Auf jeden Fall brachte ihm seine „Kunst“ mindestens 8 Jahre Knast wegen Sachbeschädigung ein. Jedes Mal, wenn er mal wieder entlassen worden war, legte er wieder los…

Jetzt wo er tot ist, bezeichnen ihn so manche als Künstler… Hm, das Wort Künstler kommt von Kunst, von Können…

Der geneigte Zeitgenosse wundert sich bei aller Toleranz über so Manches – irgendwie fühlt er sich an das Märchen „Des Königs neue Kleider“ von Hans Christian Andersen erinnert, in dem ein kleines Mädchen die ganze Illusion mit der Bemerkung „Der König hat ja gar nichts an…“ zum Einstürzen bringt.

Auch Frau Götsch von den „Grünen“ soll dafür sein, dass das Werk des OZ in einem Museum gewürdigt werden soll.Ob sich die Politikerin auch so für den Herrn einsetzen würde, wenn er ihr Haus oder ihr Auto mit einem „OZ“ verziert hätte?

Vergangene Woche wurde OZ, alias Walter Josef Fischer, der mit 64 Jahren durch seine Unvorsichtigkeit von einer S-Bahn angefahren und getötet wurde, auf dem Friedhof von Ohlsdorf in einem bunten Sarg beigesetzt. 400 Fans gaben ihm das letzte Geleit. Es hätte ihm wohl gefallen…

 

Streik und kein Ende?

 

Streik bei der Bundesbahn und das schon seit Wochen. Die Lokführer streiken immer wieder, aber nicht nur um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne, sondern auch um die Konkurrenz, die andere, größere Gewerkschaft auszuschalten.

Dabei geht es um die GDL, die Gewerkschaft der Lokführer mit angeblich 35.000 Mitgliedern und die EVG, die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft mit 209.000 Mitgliedern. Das aktuelle Problem besteht nun darin, dass die GDL nicht nur für die Lokführer verhandeln will, sondern auch für die Zugbegleiter und das Service-Personal, die bisher immer von der EVG vertreten wurden.

Verständlicherweise will das Management der Deutschen Bahn nicht mit zwei Gewerkschaften für eine Berufsgruppe verhandeln. Denn die Gefahr besteht, dass je nachdem in welcher Gewerkschaft der einzelne Zugbegleiter organisiert ist, er mehr oder weniger als der Kollege auf der gleichen Schicht, verdient. Das genau ist aber das Ziel der Herren von der GDL. Sie erhoffen sich davon, dass sie mehr Geld für die Zugbegleiter und Sevice-Kräfte herausholen können und diese dann von der EVG zur GDL wechseln würden.

Es geht also in erster Linie um einen Machtkampf zwischen zwei konkurrierenden Gewerkschaften. Die Funktionäre der kleineren GDL nehmen dabei in Kauf, dass die Fahrgäste Probleme haben ihre Ziele zu erreichen, mit dem entsprechenden Ärger und Kosten. Außerdem provozieren sie die Politik, ordnend einzuschreiten, denn sie kann nicht zulassen, dass das Mittel des Streiks für innergewerkschaftliche Machtkämpfe missbraucht wird.

Außerdem gibt es einen zweiten Kampfplatz, bei dem auch keine Lösung in Sicht scheint. Dabei handelt es sich um die Auseinandersetzung zwischen der kleinen Gewerkschaft der Piloten (Cockpit) und der Lufthansa. Auch hier wird ein irrational scheinender Konflikt auf dem Rücken der Passagiere ausgetragen.

Vordergründig geht es um die luxuriöse Vorruhestandsregelung für Piloten ab 55 Jahren. Lufthansa möchte diese großzügige Entlohnung erst ab 60 Jahren bezahlen aber die Piloten bestehen auf der jetzigen Regelung. Wie man hört geht es um 120.000 euro / Jahr. Da fragt sich der Laie, wo ist die Berechtigung für solche Summen?

Das Ganze hat noch eine pikante Seite. Die Gewerkschaft Cockpit soll, wie im Fernsehen in einem Nebensatz vermeldet wurde, mit anderen Fluglinien Tarifverträge ganz ohne Vorruhestandsregelungen für Piloten abgeschlossen haben. Das heißt sie stärkt damit die Konkurrenz der Lufthansa und damit auch die Konkurrenz für die bei ihr organisierten Piloten.

 

 

Kinoabend am Dienstag, 28.10. im Gemeinschaftsraum

Es handelt sich um einen schönen Film, den ersten seit zwanzig Jahren, bei dem Dieter (Didi) Hallervorden mal wieder mitspielt. Neben ihm spielen Stars des deutschen Kinos, wie Heike Makatsch und Tatja Seibt. Didi spielt einen Marathonsieger aus den 50er Jahren, der mit seiner Frau im Altersheim gelandet ist, und, aus Sorge er könnte sich bei der Ergotherapie „totbasteln“ oder vor lauter Langeweile eingehen, beschließt er am Berliner Marathon teilzunehmen.

‘Sein letztes Rennen’ ist ein schöner, kluger Film, und „Didi“ sorgt sicher dafür, dass Komik und Tragik nicht zu kurz kommen 

 

Witz der Woche:

Fite neuZwei Freunde unterhalten sich beim Bier am Tresen. „Sag mal, wenn ich deine Frau verführe, sind wir dann verwandt?“ - „Nee, sind wir nicht, wir sind dann quitt…“

Fiete meint: „So etwas soll in Dackelkreisen auch vorkommen…“

 

Aktualisiert ( Donnerstag, den 30. Oktober 2014 um 08:44 Uhr )